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Brecht zum Angewöhnen
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Rezension bezieht sich auf: Die heilige Johanna der Schlachthöfe (edition suhrkamp) (Taschenbuch) Ich fing mit zunächst nicht sehr hohen Erwartungen an, das Werk zu lesen - und war nach kurzer Zeit begeistert. Das "kleine kapitalistische Welttheater", daß Brecht in Schlachthof und Viehbörse von Chicago inszeniert, ist in einem interessanten ironisch-ertnsten Tonfall geschrieben und zeichnet mit Johanna und Mauler zwei hervorragende "Charaktertypen", die Brechts zentrale Werkideen personifizieren. Sprachlich ist das Werk bequem lesbar, die Rollen sind nicht "abgehoben", sondern stellen ganz "alltägliche" Personen da. Ich hatte auch nicht das Gefühl, von kommunistischen Thesen bombardiert zu werden; Brechts Gesellschaftsanalyse scheint mir eine zeitlose (auch wenn das Werk, entstanden in der Weltwirtschaftskrise, damals eine besondere Aktualität hatte) und weitgehend ideologiefreie Betrachtung zu sein. Leider flacht das Werk gegen Mitte etwas ab, da nach allem bis dahin Geschehenen die weitere Handlung nicht mehr so "aufregend" erscheint. Aber spätestens in der letzten Szene trumpft Brecht noch einmal groß auf - brilliant: die Analogie zu Fausts "Zwei-Seelen-Problem" von Goethe. Sicher ist es ein recht deprimierendes Thema, daß Brecht aufgreift, und das "Happy End" hat schalen Beigeschmack, dennoch verfällt Brecht nicht in dauernde Schwarzmalerei, und auch wenn seine Johanna scheitert, so ist ihre Idee keinesfalls widerlegt. Fazit: Lehrtheater, aber gut zu lesen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 29. Juni 2001 |